Skip to content

Praxisgespräch und Praxistag: die Gedanken dahinter

By: Florian Ferger

Ein Professor, ein Yogalehrer

Als ich Soziologie studiert habe, gab es einen Professor, bei dem ich alles besucht habe, was er angeboten hat. Vorlesungen, Seminare, Kolloquien, egal zu welchem Thema. Ich wollte verstehen, wie er denkt, wie er an ein Problem herangeht, warum er an einer Stelle stehen bleibt, an der andere weitergehen. Das hat Jahre gedauert. Irgendwann kam der Moment, an dem ich in einer Diskussion schon vorher wusste, was er sagen würde. Erst da fing mein eigenes Denken an. Vorher hatte ich vor allem Meinungen.

Beim Yoga war es erstaunlicherweise ziemlich ähnlich. Ich habe bei Alex Kröker gelernt, dem Gründer des Elementyoga-Instituts. Erst die Grundausbildung, dann jedes Modul, jeden Workshop, jede Weiterbildung, die er angeboten hat. Wenn Alex etwas Neues entwickelt hatte, war ich dabei. Bis heute, denn Alex denkt weiter, und ich lerne weiter bei ihm. Es ist für mich eine der spannendsten Sachen überhaupt, zu verfolgen, wie sich das Denken eines Menschen über Jahre entwickelt.

Und aus diesen Jahren heraus ist irgendwann etwas Eigenes entstanden. Ich habe gemerkt, dass mir für meinen Weg etwas fehlt: das Bewegungstraining, die Vielfalt, die ein Körper eigentlich kann und die im Yoga oft zu kurz kommt. Also habe ich angefangen, das in meinen Unterricht zu holen. Alles, was ich bei Alex gelernt habe, steckt darin. Ich widerspreche ihm in keinem Punkt. Aber es ist trotzdem mein ganz eigener Yoga-Stil geworden.

Ich glaube, anders geht es gar nicht. Wer sich überall nur ein bisschen umschaut, hier einen Workshop, dort ein Video, hat am Ende kein eigenes Yoga, nur Halbwissen und wenig Tiefe. Das Eigene entsteht erst, wenn du bei jemandem richtig tief gegangen bist. Wenn du so lange zugehört hast, dass du weißt, was kommt. Dann erst siehst du die Stelle, an der du etwas anders machen willst, und weißt auch, warum.

Wie Yoga gelernt wurde

Was ich da erlebt habe, hat eine lange Geschichte. Yoga wurde über Jahrhunderte bei einer Lehrerin, bei einem Lehrer gelernt, über viele Jahre und meist im Eins-zu-eins. Eine Person, die dich sieht, weiß, was sich verändert hat, und kann dir geben, was jetzt dran ist. Die Übung, die dir vor einem Jahr noch nichts gesagt hat, kommt zum richtigen Zeitpunkt. Die Korrektur, die du damals nicht gehört hättest, kommt, wenn du sie hören kannst.

Ich weiß, dass dieses Modell auch seine Schattenseiten hatte. Die Geschichte des Yoga kennt genug Lehrer, die aus der Abhängigkeit ihrer Schüler:innen etwas gemacht haben, das mit Lernen nichts mehr zu tun hatte. Ich sehe das Guru-Prinzip zu Recht kritisch, und bei uns gibt es keinen Guru. Bei uns unterrichtet ein Team mit verschiedenen Schwerpunkten, und du übst bei mehreren Lehrer:innen, die sich gegenseitig ergänzen und gegenseitig korrigieren. Der Kern des alten Modells bleibt trotzdem: Menschen, die dich kennen und die du kennst.

Was aus dem Lernen geworden ist

Heute läuft es in den meisten Studios komplett andersherum. Über Plattformen wie Urban Sports Club üben die Menschen heute hier, morgen dort. Sie probieren alles mal aus, halten sich Optionen offen, vermeiden es, sich wirklich einzulassen. Das ist nicht böse gemeint, die Plattformen sind genau dafür gebaut.

Für die Lehrer:innen hat das eine Folge, die von außen kaum jemand sieht. Sie stehen jede Woche vor neuen Gesichtern. Sie wissen, dass die Hälfte der Gruppe nächste Woche nicht wiederkommt, also können sie nichts aufbauen. Jede Stunde fängt bei null an. Über die Jahre ist so ein Unterricht entstanden, der für alle machbar ist, allen guttut und Spaß macht. Ich habe nichts dagegen. Nur tiefer wird es so nicht, für niemanden.

Wir waren selbst jahrelang Teil dieses Systems. 2025 haben wir alle Plattformen gekündigt, seit 2026 sind wir komplett unabhängig, und seit August heißen wir Independent. Der Name ist ein Versprechen an uns selbst: Wer bei uns übt, bucht direkt bei uns, und wir kennen die Menschen, die bei uns üben.

Was das für ein Membership bedeutet

Bisher haben wir unser Membership beschrieben wie alle anderen: so viel zahlst du, so oft kannst du kommen, so viel sparst du im Vergleich zur Einzelkarte. Das war die Logik der Plattformen, nur im eigenen Haus. Ein Zugangsrecht.

Ein Membership bei uns soll etwas anderes sein. Es ist die Form, in der das lange Lernen möglich wird, eine Verbindung, die du nicht bei jeder Stunde neu entscheiden musst. Und die auch die Monate trägt, in denen du es kaum auf die Matte schaffst. Damit das nicht nur ein schöner Satz bleibt, haben wir drei Dinge festgelegt.

Deine Mentorin, dein Mentor. Als Basic- oder Unlimited-Member bekommst du eine feste Ansprechperson, die deinen Weg bei uns begleitet. Derzeit sind das Sofie, unsere Studiomanagerin, und ich. Das ist die Person, die weiß, wo du beim letzten Gespräch standest.

Dein Praxisgespräch. Einmal im Jahr setzt sich deine Mentorin oder dein Mentor eine halbe Stunde mit dir zusammen, vor oder nach einer Stunde im Studio oder online. Wir sprechen darüber, wo du stehst, was gerade gut läuft, was dich beschäftigt und was jetzt dran ist. Das erste Gespräch gibt es etwa sechs Wochen nach deinem Start, wenn du die ersten Stunden hinter dir hast und die ersten Fragen da sind. Das ist das Gespräch, das es bei uns schon immer gab, nur jetzt mit Rahmen und für alle.

Der Praxistag. Einmal im Jahr üben alle Members gemeinsam einen ganzen Tag lang. Nicht neunzig Minuten, nach denen alle wieder in ihren Alltag verschwinden, sondern ein Tag mit Zeit für Praxis, Pausen und Gespräche mit den Menschen, mit denen du sonst nur die Matte teilst. Der erste Praxistag ist am 29. Mai 2027 auf einem Seminarhof bei Zeitz, eine halbe Stunde mit der Bahn von Leipzig. Du zahlst nur den Selbstkostenpreis.

Zeit, aber keine Verträge

Ein Einwand liegt nahe: Wenn ihr wollt, dass die Leute lange bleiben, warum bindet ihr sie dann nicht? Weil das genau die Verwechslung ist, die ich vermeiden will. Lernen braucht Zeit. Die Zeit entsteht aber nicht durch eine Laufzeit im Vertrag, sondern dadurch, dass du wiederkommst, weil es dir etwas bringt. Deshalb ist unser Basic Membership monatlich kündbar, ohne Kündigungsfrist, und bis zu achtmal im Jahr pausierbar. Wer bleibt, bleibt freiwillig. Das ist die einzige Bindung, die zu dem passt, was wir hier versuchen.

Und für diejenigen, die schon Members sind: An eurem Membership und eurem Preis ändert sich nichts. Ihr bekommt die Gespräche und den Praxistag einfach dazu, und im November melden wir uns mit einem ersten Terminvorschlag.

Alles Weitere, die Stufen, die Preise und die Details, steht auf unserer Membership-Seite.

Wenn du Fragen hast, schreib uns oder sprich mich im Studio an. Ich freue mich auf die Gespräche.

Florian Ferger